Merhaba Türkiye!

einfahrt türkei © emmenreiter.de

Erste Grenzerfahrung

3. Juni 2008. Wir haben die EU verlassen und türkischen Boden betreten. Merhaba Türkiye! Bis hierher waren die europäischen Landesgrenzen kaum mehr als solche zu erkennen. Aber jetzt: Dreieinhalb Stunden haben wir auf der türkischen Grenzstation nahe Kirklareli verweilt und ihr höfliches Personal kennengelernt. Unsere internationale Zulassung fürs Motorrad hat nämlich kein Feld fürs Erstzulassungsdatum vorgesehen. Das aber muss der Grenzkontrolleur im Büro der Fahrzeugregistrierung für seine Unterlagen haben. Was nun? Beide nationalen Zulassungspapiere mit dem so wichtigen Datum liegen in der Schublade des Zulassungsamtes in unserer Heimat. Dort wurden sie fälschlicherweise im Tausch mit den internationalen Papieren einbehalten. Nach ein paar Telefonaten mit der Dame vom Amt wurde uns das Dokument als unleserliches Fax und später dann per E-Mail zur Grenzstation gesendet. Das dauerte seine Zeit. Die türkischen Kontrolleure sind irgendwann zufrieden und wir können um 18 Uhr endlich weiter.
Kühler, starker Wind von vorn weht uns auf der Landstraße entgegen. Wir knüpfen uns das Innenfutter in die Jacken. Und dann fällt mir fast der Auspuff ab. Die Schraube an der hinteren Aufhängung hat sich wahrscheinlich noch in der EU von uns verabschiedet. Jetzt muss Draht her.
Wir haben einen wunderschönen Sonnenuntergang im Rückspiegel und schaffen die 243 Kilometer bis nach Istanbul leider nicht mehr. Also übernachten wir im kleinen lebendigen Ort mit dem schönen Namen Saray.

Saray: Erste Begegnung zum Tee

saraya © emmenreiter.de

Burhanettin besteht auf ein kleines Frühstück in seinem Laden

Das einzige Hotel der Stadt ist das Saray-Hotel in einer bunten Ladenstraße. Es macht seinem Namen keine Ehre. Ich bin die einzige Frau in der Absteige und komme mir komisch vor. Die schmale Treppe nach oben, der kleine Empfangsflur, in dem der Fernseher läuft, und die vier einfachen Zimmerchen, die von hier aus abgehen, sind rosarot gestrichen. Unser Raum für die Nacht hat zwei getrennte Betten, vor denen jeweils ein paar Herrenpantoffeln steht. Das Rosa der Wände leuchtet im Neonlicht. Dusche und Hockklo müssen wir uns mit den älteren Männern des Hotels teilen.
Die beiden MZ-Packesel stehen friedlich ein paar Straßen weiter auf dem Hof der Mutter des Hoteliers. Sie passten mit dem Hinterteil mal wieder nicht durch die Tür des benachbarten Schuhladens, wo wir sie zunächst unterstellen sollten. Als wir im Hotelbett liegen, hören wir durchs offene Fenster zum allerersten Mal den Ruf des Muezzins über die blechernen Lautsprecher der Moschee. Der Sprechgesang klingt in unseren Ohren wie ein Willkommensgruß. Wir sind im Orient angekommen. Bei Sonnenaufgang werden wir erneut vom Gebetsaufruf geweckt.
Als wir alles eingepackt haben und auf die Motorräder steigen wollen, sprechen uns die Leute im Vorbeigehen auf der Straße an. Burhanettin kommt zusammen mit einem Freund aus seinem Geschäft auf die Straße und ist neugierig, wohin wir weiterfahren wollen. Er besteht mit türkischer Gestik erst einmal auf einen Tee mit uns in seinem Laden. Als wir lächelnd annehmen, lässt er noch warmes Gebäck besorgen. Wir genießen unser spontanes Frühstück und tauschen ein paar türkische Wörter aus: „Guten Tag“, „Danke“ und „Wie geht’s?“ Zum Abschied beschenkt uns Burhanettin mit einem Mini-Gaskocher, Feuerzeugen und Handtüchern. Die könnten wir bestimmt gebrauchen! Der erste Morgen in der Türkei hat herrlich begonnen und wir setzen uns zufrieden auf die Motorräder nach Istanbul.

Reise-Abenteuer: Von der Haustür zum Himalaja und zurück
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2 Gedanken zu “Merhaba Türkiye!

  1. So, ich vermute mal, dass euch dieser Kommentar erst im asiatischen Teil der Türkei erreicht. Hoffentlich habt ihr euch noch mit genügend universell nutzbaren Schrauben in M5-M8 ausgerüstet. Geht ja schon früh los mit den Draht- und Tapereparaturen! Schade, dass GPS-Firmware nicht mit’m Schlosserhammer zu reparieren ist! Ich glaube an euch!
    Martin

  2. Hallo ihr beiden,
    sonnige Grüße aus Berlin. es hört sich alles total toll an, was ihr so erlebt. Und wenns dem Po gut geht, is das eh die halbe Miete. (Mir gings bei meiner Radtour aufm Jacobsweg leider nich so, der Hintern schmerzte ab dem ersten Tag.)
    Dann weiterhin gutes Durchhaltevermögen Euch beiden, dass ihr nich zu sehr durchgerüttelt und zugestunken werdet.
    Passt auf Euch auf.
    Beso Tina

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