Ferien in Goa: Auszeit vom Abenteuer

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Wo ist Indien?

3. Januar 2009. Es ist Zeit für einen Goa-Tripp. Von Malvan bis nach Arambol, dem nördlichsten und momentan vielleicht sogar angenehmsten Plätzchen in Goa, sind es nur drei Stunden Fahrt über Hügel und Dörfer. Mit der kleinen Fähre, die uns in fünf Minuten über den Terekhol River vom indischen Staat Maharashtra in die ehemals portugiesische Kolonie Goa schippert, gelangen wir in ein anderes Land. Kaum von der Fähre runter, kommen uns auf der schmalen Straße lauter sonnengebräunte, blonde Typen mit Zöpfchen am Hinterkopf und tätowiertem, freien Oberkörper breitbeinig sitzend auf einer geliehenen Royal Enfield entgegen. Russinnen, deren Knackarsch kaum bedeckt ist, schlendern mit großen Sonnenbrillen auf der Nase und in knalligen Flipflops am Straßenrrand entlang. Touristinnen weit jenseits der Vierzig wühlen sich, eine Yogamatte unter der unrasierten Achsel klemmend, durch die Kleiderbügel des Verkaufstands mit bequemen Sommerklamotten. Wo sind die Inder hin, wo ist Indien?

Ave Maria

Wir sind in Arambol, dem christlichen Dörfchen mit kleiner Kirche, in das sich damals die Hippies bis zum Altwerden zurückgezogen haben. Da war Arambol bestimmt noch ein unschuldiges indisches Fischernest mit einem einsamen Meeresstrand. Heute ist es immer noch sehr schön hier. Vielleicht etwas wuselig in der Hochsaison Anfang Januar. Besonders Dreadlockträger und Barfußläufer fühlen sich gut aufgehoben. Vielleicht sind ihnen andere Orte in Goa zu stressig, zu teuer und irgendwie zu unindisch geworden – und Arambol darum immer beliebter. Hier findet man noch eine nette, billige Unterkunft nicht weit weg vom Meer und zahlreiche, gute Restaurants, die abends Kerzen auf ihre Plastiktische direkt unterm Sternenhimmel am Wasser stellen. Serviert wird ein kühles Kingfisher oder Tiger, als Genussmittel versteht sich.
Nach einer nervigen, zwei Stunden langen Zimmersuche im fast ausgebuchten Arambol haben wir auch endlich etwas Schönes gefunden. Die entspannte Atmosphäre im Hotel Ave Maria, drei Minuten Fußweg vom Beach und einen halben Kilometer vom hektischen Dorfzentrum entfernt, hat uns sofort gefallen. Die MZ parken sicher auf dem Hof und sind sich der Blicke der anderen Gäste aus Deutschland sicher. Nach ein paar Stunden haben wir uns vom kleinen Goa-Schock erholt und erkennen, dass es sich hier ein Weilchen aushalten lässt. Wir machen mit den anderen Urlaubern Ferien! Eine kurze Auszeit vom Abenteuer Indien.

Eine Ratte und andere unterhaltsame Kreaturen

Unser neuer Reisefreund Radames, kurz Rada, wird mit uns ein paar Tage in Arambol bleiben, bevor er ohne uns weiter nach Süden zieht. Er ist eine gute Gesellschaft, kein Wichtigtuer und mit demselben Sinn für Humor. Wir treffen ihn jeden Abend zum Essen und tauschen unsere Tageserlebnisse aus. Da ist ja nicht viel: Die Entdeckung eines ruhigeren Strandabschnitts, einer Wechselstube mit gutem Kurs, eines Restaurants mit 1A-Eiscafè. Und dann sind da noch die unterhaltsamen Beobachtungen der vielen Kreaturen, die extra nach Goa fliegen, um sich selbst zu entdecken. Wonach suchen sie? Werden sie es kopfüber am Baum hängend oder beim Tantrakurs mit Jana und Michael from Germany finden? Wird ihre Zeit ausreichen, um wichtige Fragen ihres Lebens zu beantworten? Radames schiebt zur Abwechslung eine kleine Anekdote aus der letzen Nacht ein: Ihm fiel von oben eine fette Ratte auf seinen Bauch, als er im Bett lag. Die meist einfachen Häuschen, die von den Dorfbewohnern an Fremde vermietet werden, sind an der Stelle, wo das unverkleidete Ziegel- oder Palmenblätterspitzdach auf die Wände aufsetzt, rundum offen. Der Spalt ist leider groß genug für eine Ratte, die sich im Dunkeln verlaufen hat. Beide haben den Schrecken überlebt. Zur Belohnung gönnt sich Rada am nächsten Abend einen seiner besten Fernreisejoints unter dem Halbmond in Arambol.

Faul, fauler, am faulsten

Die Urlaubstage in Arambol verstreichen. Faulenzen wird zur Hauptbeschäftigung: Baden, Lesen, Schlemmen, Sonnenuntergänge… Wir machen neue Bekanntschaften, interessante und kuriose. Am Sonntag finden wir als Sahnehäubchen auf unserem Luxusleben dann auch noch ein kleines koreanisches Restaurant, das Sushi serviert. Himmlisch. Vom Sushigeschmack haben wir auf unserer Reise schon so oft geträumt. In Arambol wird der Traum Wirklichkeit. Zwischendurch gibt es auch Momente, in denen wir etwas sinnvolles tun wollen, zum Beispiel uns konkrete Gedanken über die Rückreise machen, deren Route noch nicht eindeutig feststeht. Die Visa müssen nämlich langsam angeleiert werden. Wir setzen uns vor den Computer im Internetcafè und recherchieren, beantworten viele E-Mails und lesen auf Spiegel Online, dass die Leute in unserer Heimat derzeit sechsundzwanzig Grad unter Null ertragen müssen – sechszig Grad weniger als hier!

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2 Gedanken zu “Ferien in Goa: Auszeit vom Abenteuer

  1. Hallo ihr zwei, jetzt habe ich es wirklich mal geschafft, den Blog nach Monaten weiter zu lesen (ich schäme mich!), es ist schön zu sehen, daß es euch so gut geht und ihr wunderbare Menschen und Ort sehen konntet. Und das Abenteuer geht ja weiter … da packt mich ja doch das Fernweh wieder!!! Genießt jeden Tag, aber da macht ihr ja eh schon und passt auf euch auf! Liebe Grüße aus Berlin von Kathlen

  2. Unglaublich jetzt machen unsere Abenteurer auch noch Urlaub!
    Nun ja, Menschen und Maschinen müssen ja auch fit für die weitere Reise sein.
    Ob das schon unter dem Aspekt „zurück“ oder einfach nur „weiter“ ist, müsst ihr schon selbst sehen.
    Wir wünschen euch jedenfalls viele nette Kontakte und immer eine Handbreit Reifen unter der Felge!
    Martin

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