Nepal-Trekking: Neujahr im Himalaja

Am Laurebina-Pass (4.610 m), Nepal 2014

Am Laurebina-Pass (4.610 m) in Nepal 2014 © emmenreiter.de

Nach genau fünf Jahren sind wir zum zweiten Mal in dem schmalen Land, das sich ans gewaltigste Gebirge der Erde schmiegt. Und wieder ist es Mitte April, zur Zeit des hinduistischen Neujahrs. Auf unserer kleinen Nepal-Reise 2014 werden wir viele Dinge neu und wiederentdecken, wenn wir zu zweit aus dem Kathmandu-Tal hinauf nach Gosainkunda, zum heiligsten See des Landes, wandern.

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Wann genau das neue Jahr in Nepal anfängt, bestimmt der Mondkalender Bikram Sambat. In diesem Jahr, 2014, fällt es auf den 14. April. Obwohl Nepal bereits das Jahr 2071 schreibt, haben wir auch dieses Mal nie das Gefühl, dass hier die Zeit rennt. Selbst in der wuseligen Hauptstadt Kathmandu gelingt es uns, zu entschleunigen. Vieles hat sich hier scheinbar nicht geändert in fünf Jahren. Allerdings ist das einfache Hotel in Thamel, in dem wir 2009 ein Zimmer bezogen hatten und beide MZ-Motorräder parken konnten, gerade eine Baustelle.
Am Neujahrstag machen wir uns von Kathmandu aus mit etwa zwölf Kilo schweren Rucksäcken auf in die Berge. Der obligatorische Durchfall hat mich bereits erwischt und vor 48 Stunden komplett entleert. Jetzt kann es nur besser werden. Der Taxifahrer fährt uns morgens um Sieben raus aus dem bunten Touristenviertel Thamel, in dem die Schalousien der Geschäfte noch unten und die Gassen fast leer sind. Eine Dreiviertelstunde fahren wir nach Sundarijal. Von dem kleinen Dorf aus geht es zu Fuß weiter – tagelang bergauf, immer dichter an die Bergketten des Himalajas heran. Wir wandern über das Helambu und den Langtang National Park nach Gosainkunda zum heiligen Bergsee in der Nähe des 4.610 Meter hohen Laurebina-Passes.
Der Gosainkund-See hat eine große Bedeutung für Hindus. Shiva, einer ihrer wichtigsten Götter, soll hier seinen Dreizack in den Boden gehauen und so den Bergsee geschaffen haben, mit dem er seinen Durst stillte. Ich hatte längst verdrängt, wie kräftezehrend stundenlanges Hochwandern ist, besonders in den ersten beiden Tagen, wenn es tagsüber noch sehr warm ist. Am liebsten würde ich den Rucksack abwerfen und am Berg hocken bleiben. Ich kämpfe mit meinem inneren Schweinehund und weiter gehts. Auf dem Weg nach Gosainkunda kommen wir an einigen Häusern vorbei, die wir damals schon besucht hatten. Diesmal haben wir Fotos im Gepäck dabei, die wir den Menschen als kleine Überraschung überreichen.
Zwei Wochen lang sind wir zu Fuß im Himalaja unterwegs. Die Nächte in den Höhen sind eisig. Micha kann ab 3.700 Metern nachts kaum schlafen. Bei mir ist alles gut. Nur meine sonnengegerbte Gesichtshaut fühlt sich an wie Pergamentpapier. Die Haare sind strähnig und riechen nach Feuerrauch, der jeden Abend die Berghütten durchzieht.
Besonders am frühen Morgen sind die Aussichten auf den Himalaja malerisch oft können wir kaum glauben, was unsere Augen sehen. Auf dem verschneiten sonnigen Laurebina-Pass, den wir keuchend und in Zeitlupe erreichen, dreht uns der Kopf vom wenigen Sauerstoff. Oben angekommen schweben wir eine ganze Weile mit den Wolken am tiefblauen Himalaja-Himmel dahin und genießen einsam unseren kleinen Bergsteigertriumph. Von hier aus geht es die letzten Wandertage nur noch bergab. Juch hu!

Zurück auf milden 1.700 Metern steigen wir im Dorf Syabru Bensi in den bunten, lauten und überfüllten Bus ein, der acht Stunden lang 115 Kilometer durch die Berge nach Kathmandu juckelt. Nach fünf Stunden durchfahren wir Betrawati, eine Kleinstadt am Trisul-Fluss, deren Reisfelder uns hellgrün anleuchten. Wir springen aus dem Bus und fahren erst am nächsten Tag weiter in die Hauptstadt, wo uns der Zufall nach Patan führt.
Patan (Lalitpur) bildet mit Kathmandu eine Doppelstadt, getrennt durch den Bagmati-Fluss. Hier ist die Atmosphäre entspannt und authentisch. Es gibt nur wenige Hotels, dafür viele alte Tempel, Gassen und unzählige Hinterhöfe, die wir ungestört entdecken können. In der Nähe der Tempelanlage am alten Königsplatz, die uns sofort in ihren Bann gezogen hat, übernachten wir in einem traditionell restaurierten Newari-Haus. Nach dem Tripp in die Berge klebt überall Schweiß und Staub an unseren Sachen. Uns erwartet ein schneeweißes und dazu noch weiches Bett und eine saubere Dusche – am Ende unserer Nepalreise fühlen wir uns wie Königin und König in einer anderen Zeit.

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